Hochzeitsbräuche: Wieso sind Hochzeitskleider weiß?

Wer sich eine Braut vorstellt, sieht diese in strahlendem Weiß den Kirchengang entlangschreiten oder wahlweise auch den Gang zum Standesbeamten nehmen. Immer trägt sie aber ein weißes Brautkleid – nur wenige Individualisten können sich eine Braut auch in Rot, Blau oder Schwarz vorstellen oder gestalten gar die eigene Hochzeit mit einer bunten Brautmode. Doch woher kommt der Hochzeitsbrauch , dass Hochzeitskleider meist weiß sind?

Weißes Brautkleid: Früher nicht üblich; woher kommt der Hochzeitsbrauch?

Schon im Kunstunterricht lernten wir, dass Weiß als Farbe der Reinheit, der Sauberkeit und der Unschuld gilt. Das war auch schon immer so, diese Assoziationen gab es schon vor dem 18. Jahrhundert. Dass damals nicht jede Frau ein weißes Brautkleid zu ihrer Hochzeit trug, hatte allerdings den Grund, dass Stoffe teuer waren und kaum jemand ein spezielles Kleid nur für den Hochzeitstag kaufen konnte. Der Unterschied zwischen einem feinen Kleid und einem Hochzeitskleid wurde daher vernachlässigt – sogar noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts heirateten viele Frauen in ihrer besten Sonntagskleidung.

Natürlich galt das nicht für die Damen der Oberschicht, diese besaßen das Geld, um sich spezielle Brautkleider zu kaufen. Die Frauen der Unter- und der Mittelschicht hingegen trugen zu dem großen Tag ihren Sonntagsstaat, der in unterschiedlichen Farben gestaltet sein konnte. Teilweise wurden auch die regionalen Trachten zur Hochzeit getragen – es gab keine Kleidervorschrift, die die Form oder die Farbegebung regelte.

 

Brautmode unterliegt allerdings nur in sehr geringem Maße dem Wandel der Zeit bzw. dem Modegeschmack, denn auch stilistisch kehren frühere Vorlieben immer wieder zurück. (#01)

Brautmode unterliegt allerdings nur in sehr geringem Maße dem Wandel der Zeit bzw. dem Modegeschmack, denn auch stilistisch kehren frühere Vorlieben immer wieder zurück. (#01)

Der Weg der Hochzeitskleider zu hellen Farben, also doch ein Hocheitsbrauch?

Maria de Medici war es, die sich für helle Hochzeitskleider aussprach. Sie vermählte sich einst mit Heinrich IV. und trug ein feines Kleid aus Seite, welche am ehesten die Färbung einer Eierschale hatte. Goldene Ornamente zierten das Brautkleid und so wurde im Jahr 1600 überhaupt erst die Möglichkeit für ein weißes Brautkleid aufgetan.  Dreizehn Jahre später heiratete Elisabeth von England ebenfalls in einem hellen Hochzeitskleid – Silber und Weiß waren die Farben des Kleides. Von nun an wurden helle Farben in höfischen Kreisen bevorzugt, wobei neben der weißen Brautmode auch Creme als Farbe häufig zu sehen war.

Im Jahr 1840 fand die Hochzeit zwischen Königin Victoria von Britannien und Prinz Albert von Sachsen-Gotha statt – die Braut trug weiße Hochzeitskleider und einen kleinen Brautschleier.

Bekannte „Weißträgerinnen“ sind außerdem Elisabeth von Bayern (genannte Sissi) und Eugénie de Motijo, Gemahlin von Napoléon III.
Erst im 20. Jahrhundert setzte sich Weiß als Farbe für die Hochzeitskleider endgültig durch und heute sind es eher Menschen, die sich von der breiten Masse bewusst abheben wollen, die auf eine andere Farbgebung setzen. Brautmode unterliegt allerdings nur in sehr geringem Maße dem Wandel der Zeit bzw. dem Modegeschmack, denn auch stilistisch kehren frühere Vorlieben immer wieder zurück. Lediglich die Farbgebung bleibt unverändert, weil es sich hierbei weniger um eine Mode als vielmehr um ein starkes Symbol handelt.

 

Wer ein weißes Brautkleid besaß, zeigte damit, dass er das nötige Geld besaß. Einfache Bauern und Handwerker waren dazu noch lange nicht imstande und so heiratete das einfache Volk noch sehr lange in verschiedenen Kleidungsstücken und Farben. Erst nach und nach entwickelt sich der Trend hin zu hellen Farben, was in der obigen Erklärung bereits deutlich dargestellt wird. (#02)

Wer ein weißes Brautkleid besaß, zeigte damit, dass er das nötige Geld besaß. Einfache Bauern und Handwerker waren dazu noch lange nicht imstande und so heiratete das einfache Volk noch sehr lange in verschiedenen Kleidungsstücken und Farben. Erst nach und nach entwickelt sich der Trend hin zu hellen Farben, was in der obigen Erklärung bereits deutlich dargestellt wird. (#02)

Hochzeitsbräuche: Schwarz, schwarz, schwarz sind alle meine Hochzeitskleider

Heute gilt bei uns Schwarz als Farbe der Trauer und wird im Alltag in den meisten Fällen mit einem anderen Farbton kombiniert. Dabei hat auch Schwarz eine lange Geschichte in der Brautmode: Durch den Einfluss des spanischen Königshofs, der streng katholisch war, entwickelte sich Schwarz einst zur Trendfarbe. Damals schrieb man noch das 16. Jahrhundert, als Brautkleider in Schwarz, die mit Schleppen und Spitze verziert getragen wurden, groß in Mode kamen.

Überall in Europa konnten sich diese Hochzeitskleider durchsetzen, sogar in der Mittelschicht trugen die Bräute diese dunkle Farbe, die genau genommen nicht einmal eine wirkliche Farbe ist. Schwarz sollte die Frömmigkeit unterstreichen, nach der die Braut (hoffentlich) lebte. Gleichzeitig waren die Kleidungsstücke, die derart dunkel waren, auch sehr gut sauber zu halten. Des Weitere konnte das Hochzeitskleid, welches wenig empfindlich und länger sauber war, auch zu anderen Gelegenheiten getragen werden. So schlugen die Frauen mehrere Fliegen mit einer Klappe und heirateten in einer Brautmode, die noch wenig auf Opulenz und Passgenauigkeit achtete.

Wer ein weißes Brautkleid besaß, zeigte damit, dass er das nötige Geld besaß. Einfache Bauern und Handwerker waren dazu noch lange nicht imstande und so heiratete das einfache Volk noch sehr lange in verschiedenen Kleidungsstücken und Farben. Erst nach und nach entwickelt sich der Trend hin zu hellen Farben, was in der obigen Erklärung bereits deutlich dargestellt wird.

Heute sind Brautkleider teils sogar wieder in einem kräftigen und sehr dunklen Rot oder in Blau erhältlich, haben dann sogar die Eigenschaft, noch lange nach der Hochzeit als Ballkleid genutzt werden zu können. Gerade Frauen, die nicht zum ersten Mal heiraten, entscheiden sich gern für ein Kleidermodell, welches eine andere Färbung aufweist. So sind auch Creme- und Apricottöne sehr gefragt. Die rein weißen Modelle sind dafür gerade bei den Prinzessinnenkleidern häufig zu finden. Diese wiederum warten kaum mit anderen Färbungen auf. Hier treffen die Stilvorstellungen auf Farbfantasien und heraus kommt das Princess-Kleid, welches konservativ geschnitten und gefärbt ist.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild: elina_lava -#01: monoliza  -#02:ph_stephan

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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